Karl Kufferath-Kassner – Ein Porträt
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30. Mai 2025Josef und Aline Kufferath – Ein Porträt
Josef Kufferath, genannt „Jupp“, war ein Fabrikant und Patriarch alter Schule. Er wohnte mit seiner Familie neben der damals noch kleineren Fabrik und hörte auch nachts genau, was dort vor sich ging: „Wenn ein Webstuhl stillstand, dann zog er sich an, ging rüber und schaute nach“, weiß sein Nachfahre Dr. Stephan Kufferath. Doch nicht nur Probleme trieben ihn aus dem Bett: „Mein Vater hat mir gerne berichtet, dass Josef Kufferath nachts schon mal über die Hallendächer geschlichen sein soll, um zu kontrollieren, was in den Hallen so vor sich ging“, erinnert sich Adolf Peiffer, der 1975 seine Lehre bei Gebr. Kufferath begann, wo bereits sein Vater arbeitete.
Dass Josef Kufferath den Grundstein für eine weltweit tätige Unternehmensgruppe legen würde, war keineswegs vorgesehen. Als er 1899 in Mariaweiler zur Welt kam, hatte er bereits einen älteren Bruder, und der sollte einmal die elterliche Metallweberei erben. Josef musste seinen eigenen Weg finden.
Das große Ziel: sich selbstständig machen
Der führte ihn zunächst an die Universität Köln, wo er jedoch wegen „Nichtbelegens von Vorlesungen“ 1922 exmatrikuliert wurde. Womöglich hatte er das Interesse verloren, weil er im selben Jahr bereits eine Anstellung in Düren hatte und sich 1925 mit vier Webstühlen, die ihm der Vater überließ, selbstständig machte.
„Er strahlte etwas aus“, erinnert sich Helmut Cremer. „Wenn der reinkam, dann war der Raum gefüllt. Man merkte einfach: Das ist ein Unternehmer, der genau wusste, was er war und was er wollte.“ Cremer lernte Josef Kufferath 1964 kennen: „Mir fällt mein Vorstellungsgespräch ein. Da fragte er zur Bundeswehr: ,Was haben Sie für einen Dienstgrad?’ Und da denke ich: ,Oh! Jetzt entscheidet sich was. Entweder er ist ein Kommisskopf oder er ist gnädig.’ Ich antwortete, dass ich nur Gefreiter sei. Da sagte er: ,Mehr war ich auch nicht.’ Und da war alles klar.“
Dass Josef Kufferath in jenen Jahren gesundheitlich schon schwer angeschlagen war, wussten nicht einmal engste Vertraute. Auch wagte er es nicht, die Zügel aus der Hand zu geben und sich rechtzeitig um eine Nachfolge zu kümmern. „Mittags ruhte er, kam topfit zurück und arbeitete dann bis in die Nacht“, so erinnert sich Cremer an seinen ersten Chef. Umso überraschender war dann für ihn und die mittlerweile rund 200 Angestellten die Nachricht von seinem plötzlichen Tod im Februar 1967.
Viel mehr als die Frau an seiner Seite
Aline Kufferath war keine Unternehmerin im klassischen Sinn. Aber eine, die mitgedacht, mitgefühlt und mitgetragen hat – und am Ende auch geführt. Als ihr Mann Josef 1967 überraschend stirbt, übernimmt sie Verantwortung. Nicht nur auf dem Papier, sondern mit Weitsicht und Tatkraft.
Geboren wurde Aline Kipp 1905 in Straßburg. Früh verliert sie ihre Eltern und wächst bei Verwandten in Aachen auf. Der Erste Weltkrieg prägt ihre Kindheit: Hunger gehört ab 1915 zum Alltag. Sie beginnt eine Ausbildung in der Buchhaltung, schließt sie nicht ab und arbeitet aber trotzdem in mehreren Unternehmen als kaufmännische Angestellte.
Eine weitsichtige Entscheidung
Dann trifft sie Josef. 1928 heiraten sie, Aline wird Stiefmutter der kleinen Rosemarie, Josefs Tochter aus erster Ehe, deren Mutter nach der Geburt an Kindbettfieber gestorben war. Im Unternehmen ihres Mannes ist sie zunächst nur im Hintergrund aktiv, kümmert sich um Haushalt und Familie. Doch sie weiß, was läuft. Sie begleitet Josef auf Geschäftsreisen und hilft während der Wirtschaftskrise in der Buchhaltung der Firma.
Als Josef 1931 die Firma „Tela GmbH“ gründet, wird Aline zur Inhaberin – auf dem Papier ist sie längst mehr als nur Ehefrau. 1943 erhält sie Prokura für Gebr. Kufferath. Und nach dem Tod ihres Mannes ist klar: Jetzt muss sie das Unternehmen in die richtigen Bahnen lenken. Sie adoptiert Karl Kassner, mit dem sie wie mit einem Bruder aufgewachsen ist. Und der bereits seit mehreren Jahren der heimliche Chef ist, zumindest in den Werkshallen.
„Ein untrügliches Verständnis für Menschen“
Damit ist die Nachfolge geregelt, was nicht heißt, dass sich Aline jetzt wieder zurückzieht. Sie kümmert sich um Kunden und Gäste, lädt das Führungspersonal einmal im Jahr zum Sektempfang und unterzeichnet fast jeden Nachmittag anfallende Zahlungsausgänge per Scheck. Bis in die 1980er-Jahre. „Sie war eine großartige Frau, eine in jeder Hinsicht faszinierende Persönlichkeit“, sagt Dr. Stephan Kufferath. „Sie hatte ein untrügliches Verständnis für Menschen und ließ sich nicht übers Ohr hauen.“
Sie ist beliebt. Freundlich, nahbar und mit Pudeldame Anja an ihrer Seite gerne in den Abteilungen unterwegs. „Wenn sie zum Friseur musste, sagte sie: ,Dann soll der mich fahren‘“, erinnert sich Adolf Peiffer. „Danach gab’s vom Bäcker nebenan ein Teilchen – auch für mich.“ Wichtiger als das Teilchen war für Peiffer, der 1975 seine Lehre begann, aber etwas anderes: „Ich habe sie mit ihrem alten Mercedes fahren dürfen, was ja zu der Zeit für einen 18/19-Jährigen eine Sensation war.“ Aline Kufferath stirbt 1999. Beigesetzt wird sie neben ihrem Mann auf dem Friedhof in Mariaweiler.